Der Lebensbaum

Der Lebensbaum begleitet mich seit den frühen 2000er-Jahren.

Er entstand aus Gesprächen mit einem alten Freund – einem 85-jährigen Maler,

der mir zuhörte, als ich von den Kräften erzählte, die einen Menschen formen.

Aus diesen Gesprächen wurde ein Bild.

Und dieses Bild wurde ein Weg.

Später fuhr dieser Baum mit meinen Kindern und mir in unserem Jeep nach Manresa –

als stiller Begleiter auf der Pilgerfahrt,

als wir Ignatius folgten.

Damals spürte ich zum ersten Mal:

Dieser Baum zeigt etwas, das jeden Menschen betrifft.

Die vier Kräfte des Lebens

Der Lebensbaum zeigt vier Kräfte, die in jedem Menschen wirken.

Sie erscheinen im Bild als drei Blätter und eine Wurzel.

Das linke Blatt – die Biologie

Alles, was uns der Körper schenkt:

Anlage, Energie, Verwundbarkeit, Herkunft.

Das linke Blatt erzählt vom Gewordenen.

Das rechte Blatt – die Sozialisation

Alles, was uns geprägt hat:

Familie, Bindungen, Sprache, Muster, Kultur.

Das rechte Blatt erzählt vom Erlernten, vom Gefügten, vom Geprägten.

Das obere Blatt – die Kraft der Verwirklichung

Das, was wir aus uns machen:

Entscheidungen, Freiheit, Mut, das Werden.

Oben zeigt sich die Richtung.

Die Wurzel – die geschulte innere Haltung

Das Unsichtbare, das alles trägt:

Klarheit, Aufrichtigkeit, innere Ordnung, Gewahrsein.

Je klarer die Wurzel, desto weiter die Blätter.

Wie der Baum wirkt

Der Lebensbaum ist keine Methode

und kein Glaubenssymbol.

Er ist ein stilles, klares Bild,

das sichtbar macht, was in jedem Menschen geschieht:

Wir wachsen von Natur aus.

Wir werden geprägt.

Wir entscheiden uns.

Und wir können uns – jeden Tag

innerlich neu ausrichten.

Blätter verändern sich.

Jahreszeiten wandeln sich.

Aber der Baum bleibt sich treu,

wenn seine Wurzel gut steht.

Warum der Lebensbaum zur Schule des Lebens gehört

Die Schule des Lebens ist kein Lehrgebäude.

Sie ist ein Raum, in dem ein Mensch beginnt,

sich selbst zu verstehen.

Der Lebensbaum zeigt den Weg dorthin:

von der Herkunft zu den Möglichkeiten,

von den Prägungen zu den Entscheidungen,

von der Unübersichtlichkeit zur inneren Ordnung.

Er begleitet still, ohne zu drängen,

und erinnert an das Entscheidende:

Ein Leben reicht,

um der Mensch zu werden, der du bist.