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Das Werk

Das Werk beginnt nicht mit einem Buch.
Es beginnt mit einer Frage – oder genauer: mit vier.

1992 schrieb ich an Rupert Riedl, den großen Biologen und Schüler von Konrad Lorenz.
Ich formulierte vier Fragen, die mich seither nicht mehr losgelassen haben:

Wie ist der Mensch?
Wie ist die Welt?
Warum sind wir so, wie wir sind?
Und: Warum ist die Welt so, wie sie ist?

Dreißig Jahre lang habe ich versucht, diese Fragen zu verstehen.
Nicht theoretisch – sondern existenziell, körperlich, biografisch, wissenschaftlich, spirituell.

Aus diesem Weg ist das Werk entstanden.

1. Die erste Spur – Verstehen lernen

1994 stand ich am Mental Research Institute in Palo Alto,
lernte bei Paul Watzlawick die Grundlagen der Psychotherapie
und erkannte erstmals, dass Psychotherapie im Kern
angewandte Philosophie ist.

An Wochenenden fuhr ich nach Esalen.
Dort begegnete ich Bruder David Steindl-Rast,
dessen Präsenz mich geprägt hat,
wie andere Menschen von einem Lehrer, einem Vater oder einer mystischen Erfahrung geprägt werden.

Ich hielt damals Gregory Batesons „Ökologie des Geistes“ nachts im Arm,
weil ich spürte:
Darin liegt eine Wahrheit, die ich noch nicht denken kann – aber schon fühle.

Das war die geistige Geburt des Werkes.

2. Die zweite Spur – Die Macht der Herkunft

Ich konnte nicht in Kalifornien bleiben.
Die Liebe zu meiner sechsjährigen Tochter zog mich heim.
Und die Geschichte meiner Familie –
eine Mischung aus bäuerlicher Erdung und großbürgerlicher Bildung –
zog mich in ihre Verantwortung.

Mein Vater bat mich, seine insolvente Firma zu retten.
Ich sagte Ja.
Ein Sohn sagt Ja, wenn ein Vater ihn ruft.

Es war der Beginn einer Verstrickung,
die mich Jahre kostete
und mich durch Dunkel führte, das nicht meines war.

Und doch war es notwendig.
Denn Verstehen ohne Herkunft ist Wurzelwerk ohne Erde.

3. Die dritte Spur – Die Erschütterung

2007 eröffnete ich eine eigene Praxis.
2012 erschien mein erstes Buch: Ein Leben reicht.
Vier Monate später hatte ich den Schlaganfall.

Auf der Neurochirurgie-Intensivstation wurde mir klar:
Entweder ändere ich jetzt mein Leben –
oder ich werde es nie mehr tun.

Es wurde dunkel.
Und gleichzeitig begann etwas Neues.

4. Die vierte Spur – Der Durchbruch

Zwischen 2014 und 2021 zerfiel vieles:
mein altes Berufsleben,
meine Ehe,
mein Selbstbild.

Und zugleich begann das Verstehen:

– in Klöstern,
– in der Stille,
– in der spirituellen Praxis,
– im Rückzug,
– im Lesen,
– im Denken.

Bruder David kehrte in dieser Zeit unerwartet in mein Leben zurück.
Zweimal erlebte ich mit ihm jene sogenannten „Gipfelerfahrungen“,
die man kaum beschreiben kann,
aber die einen Menschen von innen verwandeln.

Im Herbst 2023 begann ich die Fachliteratur wieder zu verstehen.
Im Juni 2024 kam der Durchbruch:
Ich sah zum ersten Mal das ganze Gebäude meines Denkens klar vor mir.

Seither steht das Werk.

5. Das Zentrum – Das Leben des Menschen

Aus allen Krisen, Wendungen und Einsichten
ist jetzt das Hauptmanuskript entstanden:

Das Leben des Menschen –
ein vierteiliger Entwurf,
der den Menschen in seiner Evolution, seiner Psyche, seiner Biografie und seiner Zukunft beschreibt.

Es ist keine Methode.
Kein Dogma.
Sondern eine Einladung,
den Menschen und die Welt so zu sehen, wie sie sind.

6. Die Gesamtlage des Werkes

Zum Werk gehören:

  • Seelenspa (2007) – der erste Versuch, das Innen zu verstehen

  • Ein Leben reicht (2012) – die erste Formulierung des Weges

  • 21 Gramm (ab 2015) – der Übergang aus der tiefsten Krise in die geistige Klarheit

  • Excuse me Freud (2016) – die Abrechnung mit alten psychotherapeutischen Formen

  • Jean-Paul Spera (2017) – eine biografische Erzählung über Freiheit

  • Metanoetik & Menschwerdung (2018) – die ersten geistigen Grundlinien

  • Das Leben des Menschen (seit 2022) – das Hauptwerk, das alles bündelt

Das Werk ist nicht abgeschlossen.
Es wächst weiter –
so wie ein Mensch weiterwächst,
solange er bereit ist, seinen Weg zu gehen.

7. Der Satz, der alles hält

Wenn ich einen Satz wählen müsste,
um mein Werk zu erklären,
dann diesen:

Die Wahrheit des Menschen liegt nicht in seiner Rolle,
sondern in seinem Wesen.

Das Werk ist mein Versuch,
dieses Wesen sichtbar zu machen –
in mir,
im Menschen,
in der Welt.

Und vielleicht findet jemand darin
ein Wort,
einen Gedanken,
eine Spur,
die im eigenen Leben Orientierung schenkt.

Text aus Über Pete

Ich bin Pete.
Ein Mensch, der seit über dreißig Jahren mit Körper, Geist und Seele arbeitet –
als Arzt, als Psychiater, und als jemand, der das Menschsein nicht nur studiert,
sondern selbst durch seine Brüche gegangen ist.

Ich komme aus zwei Welten:
aus einer bäuerlichen Herkunft meines Vaters
und aus einem großbürgerlichen Wien meiner Mutter.
Zwei Ordnungen, zwei Temperamente, zwei Arten von Wahrheit –
und ich habe lange versucht, beiden gerecht zu werden.

Ich wurde bei den Jesuiten groß.
Acht Jahre Internat – eine Zeit, die mich geprägt hat:
Strenge, Klarheit, Denken, Gewissen.
Vielleicht auch ein frühes Gespür für das Spirituelle.
Ich habe später oft gedacht:
Wäre ich doch Jesuit geworden.
Aber das Leben hatte einen anderen Weg für mich.

In den frühen 1990er Jahren begegnete ich zwei Menschen,
die mein Denken öffneten:
Paul Watzlawick –
und durch ihn der Blick in die Psychotherapie als angewandte Philosophie.
Und Bruder David Steindl-Rast –
dessen stille, weite Weisheit mich tief berührte,
lange bevor ich verstand, warum.

Die großen Fragen begannen damals in mir zu arbeiten:
Wie ist der Mensch?
Wie ist die Welt?
Warum sind wir so, wie wir sind?
Warum ist die Welt so, wie sie ist?
1992 schrieb ich darüber an Rupert Riedl,
den Nachfolger von Konrad Lorenz.
Diese vier Fragen tragen mein Leben bis heute.

Doch mein Weg war nicht geradlinig.
Nicht einmal nah dran.

1994 kehrte ich aus Kalifornien zurück –
nicht, weil ich wollte,
sondern weil ich musste.
Meine Tochter war sechs.
Mein Vater brauchte mich in der Firma.
Ich war Arzt und ging doch in einen Beruf, den ich nicht gelernt hatte –
aus Loyalität, aus Verstrickung, aus Liebe.
Und ich trug einen Teil des Untergangs mit.
Jahre später wurde mir klar:
Das war nicht mein Weg.
Es war der Weg meiner Herkunft.

Ab 2007 arbeitete ich als Psychiater und Gerichtspsychiater.
Über 6000 Gutachten.
Ein Leben zwischen Schicksalen, Abgründen, Wahrheiten.
Das hat mich geformt – und erschöpft.

2012 erschien mein Buch Ein Leben reicht.
Vier Monate später hatte ich einen Schlaganfall mit Aneurysma.
In der ersten Nacht auf der neurochirurgischen Intensivstation wusste ich:
Entweder ich ändere mein Leben jetzt –
oder ich schaffe es nie mehr.

Ich änderte es.
Aber nicht sanft.
2014 ging ich nach Altaussee.
2015 ins MuseumsQuartier in Wien.
Ich versuchte, einen neuen Weg aufzubauen:
21 Gramm
ein Ort, an dem Menschen das Gewicht ihres Wesens spüren sollten.
Der Name kam von der alten Idee,
dass die Seele 21 Gramm wiegt.
Für mich wurde 21 Gramm zum Symbol
für jenen Moment,
in dem ein Mensch aus der Dunkelheit ins Licht tritt.

Doch mein Leben blieb nicht ruhig.
Es gab Brüche, Entscheidungen,
auch die dunkelsten Seiten,
in denen ich selbst angeklagt war.
Ich habe meine Schatten kennengelernt.
Ich habe Fehler gemacht.
Ich habe meinen Weg verloren –
und wiedergefunden.

2016 begann ich das Manuskript Excuse me Freud.
2017 Jean-Paul Spera.
2018 Menschwerdung und Metanoetik.
Dann – eine Erschöpfung.
Ich konnte nicht mehr denken.
Die Arbeit brach ab.
Ich fiel.
Und etwas in mir fiel mit.

Erst der spirituelle Weg hat mich zurückgeführt.
Lassalle Haus, Felsentor, Benediktushof, Gut Aich.
Stille.
Praxis.
Gegenwart.
Und dann zwei Erfahrungen, die ich nicht erklären kann:
Ein goldener Ball von Bruder David während einer Messe.
Und Jahre später ein körperliches, tiefes Beben,
als er mir Bücher für meine Kinder signierte.

2023 kehrte mein Verstehen zurück.
2024 kam der Durchbruch:
Ich wusste wieder,
dass ich das Fachbuch Das Leben des Menschen
wirklich schreiben kann.
Und ich wusste:
Mein Weg hat Sinn.

Heute bin ich weder Arzt noch Psychotherapeut.
Ich bin ein Mensch,
der versucht, das Leben zu verstehen –
und das Verstandene weiterzugeben.
Durch die Schule des Lebens.
Durch den Lebensbaum.
Durch das Werk.

Ich hoffe, dass das, was aus meinem Weg gewachsen ist,
für andere ein Stück Orientierung wird.

Dr Pete – Schule des Lebens.
Wo Verstehen Leben wird.

Das Werk

Das Werk ist mein Beitrag:
ein Versuch, das Leben zu verstehen und es so zu teilen,
dass es für andere Orientierung wird.

Es ist das Werk meines Lebens.
Nicht im Sinn einer Leistung,
sondern im Sinn eines Weges,
der mich geformt hat –
durch Licht, durch Irrtümer, durch Krisen,
durch das, was zerbrochen ist
und durch das, was geblieben ist.

Ich schreibe nicht als Meister.
Ich schreibe als Mensch.
Als jemand, der seit dreißig Jahren versucht,
den Menschen zu verstehen,
die Welt zu begreifen,
und aus beidem einen Weg zu machen,
der wahr ist.

Das Werk ist aus vielen Jahren gewachsen:
aus Medizin, Psychiatrie, Psychotherapie,
aus Management, aus Lebensbrüchen,
aus spirituellen Wegen,
aus Stille, aus Lernen,
aus der Liebe zu meinen Kindern
und aus dem Wunsch, die Welt klarer zu sehen.

Was hier steht, ist kein geschlossenes System.
Es ist eine Spur.
Eine Orientierung.
Eine innere Landkarte,
die entstanden ist, weil ich selbst ohne Orientierung war.

Aus diesem Weg sind viele Texte hervorgegangen:
Ein Leben reicht,
Menschwerdung,
Metanoetik,
Excuse me Freud,
21 Gramm,
und jetzt:
Das Leben des Menschen
mein Versuch, die Frage zu beantworten,
wie wir geworden sind, was wir sind,
und wie ein gelingendes Leben möglich wird.

Das Werk ist nicht perfekt.
Aber es ist ehrlich.

Es möchte dich nicht überwältigen,
sondern begleiten.
Es möchte dir nicht sagen, wer du sein sollst,
sondern dich daran erinnern,
wer du bist.

Wenn du dich hier wiederfindest,
dann nimm dir Zeit.
Geh langsam.
Öffne ein Kapitel.
Lies.
Spür nach.
Vielleicht entdeckst du etwas,
das in deinem eigenen Leben
eine Richtung öffnet.

Das Werk – was aus meinem Weg gewachsen ist.
Ein Angebot.
Ein Raum des Verstehens.
Ein Atemzug Klarheit in einer unruhigen Welt.

TEASER – Lebensbaum

Der Lebensbaum ist nicht nur Symbol.
Er ist eine Landkarte des Menschseins.

Er zeigt, was uns prägt,
was uns trägt
und was uns möglich ist.

Er erinnert daran,
dass ein Mensch nicht nur aus Herkunft besteht
und nicht nur aus Gewohnheit –
sondern aus der stillen Kraft,
sein eigenes Leben zu werden.

Die Schule des Lebens

Sie beginnt dort, wo du bereit bist hinzusehen.

Nicht in deine Vergangenheit, nicht in deine Rolle,
sondern in das, was du bist.

Sie fragt nicht nach Leistung. Sie fragt nach Aufrichtigkeit. Nach Mut. Nach dir. Nach dem, was in dir ist, bevor du Worte hattest.

Ich denke, du kannst die Schule auf zwei Arten nutzen: Einmal indem du einfach die Teile nimmst, die für dich Bedeutung haben. Und einmal in dem du sie als Orientierung in deinem Leben und in der Welt verwendest. Denn die Schule ist nach einer natürlichen Struktur gebaut: vom Kern, zum Kreis, zu umgebenden Landmarken. So ergibt sich ein System, das Orientierung geben kann.

Im Inneren der Schule steht ein Modell für den Menschen, der in einem Baum symbolisiert ist. Umgeben ist der Baum von einem Kreis, der die Methode der Schule symbolisiert. Und schließlich liegen außen Landmarken, die eine Orientierung in einer Lebenslandkarte geben können. Das ist die Architektur der Schule: Baum, Kreis und Landmarken.

Der Baum symbolisiert den Menschen, seine Biologie, seine Sozialisation, seine Kraft der eigenen Verwirklichung und schließlich die Wurzel aus der alles wächst.

Der Kreis steht für einen wiederkehrenden Prozess, den die Schule ausmacht. Sie steht für Verstehen, das zu Leben wird. Verstehen entsteht durch Notwendigkeit. Und Bewegung des Verstehens führt zu dessen Einbettung im Leben. Vier Bereiche des Verstehens erscheinen mir wichtig: das Leben des Menschen, die eigene Biografie, das eigene Wirken in der Welt und der Alltag, der das Leben baut. Diese vier Bereiche sind in vier Quadranten des Kreises repräsentiert. Wiederkehrendes, kreisförmiges Beschäftigen kennzeichnet die Methode der Schule. Wir erfassen die Bereiche nicht in all ihren Bedeutungen. Aber mit jedem Durchlauf wird der Weg klarer und die Erkenntnis tiefer. Aus diesen vier Blicken entsteht Orientierung. Nicht als Regelwerk, sondern als innerer Kompass.

Und schließlich gibt es in der Schule Landmarken. Das sind Wegmarken, um nicht verloren zu gehen, um nicht in Wirrniss zu geraten. Hier bedeuten sie Einsichten, wie sie in einem jeden Leben entstehen. Bislang erscheinen mir sieben Einsichten notwendig, da sie für Orientierung im Leben dienen können. Da ist einmal, dass es nicht darum geht an fertige Wahrheiten zu glauben, sondern das eigene Leben zu verstehen – so, dass die eigenen Geschichte selbst geschrieben werden kann. Dann das Erleben des Ich in Verbindung zum Selbst. Oder der Durchblick, dass die Natur von sich selbst im reinen Gewahrsein erlebt wird. Ein Mensch ist das, was im reinen Gewahrsein erscheint. Dort zeigt sich seine Natur. Handelt er gemäß dieser Natur, stimmt er mit dem Weg überein: mit dem eigenen Lebensweg, mit dem Weg der Welt, mit dem Weg des Kosmos.

Das ist die Schule des Lebens.
Kein Dogma. Kein Trick. Kein Schwindel.
Nur ein stiller, klarer Raum, in dem der Mensch sich selbst erkennt und beginnt, aus seinem Wesen heraus zu leben. Dort beginnt unser Menschsein, wo wir berührbar sind – nicht von außen sondern von innen.

Über Pete

Ich widme mein Leben der Frage nach der inneren Ordnung des Menschen.

Wie ist der Mensch gebaut, was stärkt ihn, was verletzt ihn; was hilft ihm, sich zu orientieren.

Ich bin Arzt und habe an der Universität Wien die gesamte Heilkunde studiert und dafür 1993 einen Doktortitel erhalten.

1994 lernte ich die Grundlagen der Psychotherapie persönlich von Paul Watzlawick am Mental Research Institute in Palo Alto. Diese Begegnung hat mir gezeigt, dass Psychotherapie angewandte Philosophie ist – ein Weg, der Menschen hilft, ihr eigenes Leben zu verstehen, nicht ein System, das erklärt, wie sie sein sollen.

1998 schloss ich an der Stanford Graduate School of Business ein Masterstudium ab. Dort begann ich zu verstehen, wie eng die Fragen des Menschen mit den Bewegungen der Welt verknüpft sind. Diese Jahre haben meinen Blick geöffnet – nicht für eine Karriere, sondern für die Frage, wie der Mensch in seinem Innen und Außen verwoben ist.

1999 promovierte ich an der Universität Freiburg im Breisgau zum Doktor der Medizin. Ich begann, Heilkunde und Weltkunde zusammenzudenken.

Viele Jahre arbeitete ich dann als Arzt und auch als Gerichtspsychiater. Ich habe viele tausende Menschen in schwierigen Situationen gesehen und gelernt, wie eng das Leben mit seinen Brüchen verbunden ist. Diese Zeit hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin – nicht durch Macht, Wissen oder Position, sondern durch Begegnungen mit Realitäten: am Krankenbett während der Nacht, in der Notaufnahme, in meiner Praxis und vor Gericht.

2013 hatte ich einen medizinischen Einschnitt – ein Aneurysma, eine Operation, ein Jahr des Nachdenkens. Es hat mich nicht gebrochen. Aber es hat mich in meinem Inneren tiefer verankert. Ich bin ein Mensch, der lange geforscht, viel erlebt hat und mit beidem – mit meinen Fähigkeiten und meinen Verletzlichkeiten – weitergeht.

Heute arbeite ich an der Schule des Lebens. Sie ist aus meinem eigenen Weg gewachsen – ein Weg durch Wissenschaft, Heilkunde, Psychotherapie, Weltkunde und durch das Leben selbst.

Der Lebensbaum

Der Lebensbaum begleitet mich seit den frühen 2000er Jahren. Er entstand aus Gesprächen mit einem alten Freund – einem 85-jährigen Maler, der mir zuhörte, als ich von den Kräften erzählte, die einen Menschen formen. Aus diesen Gesprächen wurde ein Bild. Und dieses Bild wurde ein Weg.

Später fuhr er mit mir auf meinem Jeep nach Manresa – ein stiller Begleiter auf der Pilgerfahrt mit meinen Kindern, als wir Ignatius folgten. Vielleicht war es damals das erste Mal, dass ich spürte: Dieser Baum zeigt etwas, das jeden Menschen betrifft.

Die vier Kräfte des Lebens

Das linke Blatt – die Biologie
Alles, was uns der Körper schenkt: Anlage, Energie, Verwundbarkeit, Herkunft.
Das linke Blatt erzählt vom Gewordenen.

Das rechte Blatt – die Sozialisation
Alles, was uns geprägt hat: Familie, Bindungen, Sprache, Muster, Kultur.
Das rechte Blatt erzählt vom Erlernten, vom Gefügten, vom Geprägten.

Das obere Blatt – die Kraft der Verwirklichung
Das, was wir aus uns machen: Entscheidungen, Freiheit, Mut, das Werden.
Oben zeigt sich die Richtung.

Die Wurzel – die geschulte innere Haltung
Das Unsichtbare, das alles trägt: Klarheit, Aufrichtigkeit, innere Ordnung, Gewahrsein.
Je klarer die Wurzel, desto weiter die Blätter.

Wie der Baum wirkt

Der Lebensbaum ist keine Methode und kein Glaubenssymbol. Er ist ein stilles, klares Bild, das sichtbar macht, was in jedem Menschen geschieht:

Wir wachsen von Natur aus.
Wir werden geprägt.
Wir entscheiden uns.
Und wir können uns – jeden Tag – innerlich neu ausrichten.

Blätter verändern sich.
Jahreszeiten wandeln sich.
Aber der Baum bleibt sich treu, wenn seine Wurzel gut steht.

Warum der Lebensbaum zur Schule des Lebens gehört

Die Schule des Lebens ist kein Lehrgebäude. Sie ist ein Raum, in dem ein Mensch beginnt, sich selbst zu verstehen.

Der Lebensbaum zeigt den Weg dorthin:
von der Herkunft zu den Möglichkeiten,
von den Prägungen zu den Entscheidungen,
von der Unübersichtlichkeit zur inneren Ordnung.

Er begleitet still, ohne zu drängen –
und erinnert an das Entscheidende:

Ein Leben reicht, um der Mensch zu werden, der du bist.